Patenschaften – Direkte Hilfe ohne Bürokratie

Nachbarschaftshilfe ist in aller Munde. Sie wird beschworen und in den schönsten Farben ausgemalt, wenn Politiker das Thema fehlende Daseinsvorsorge elegant “umschiffen” wollen. Ja, bei uns auf dem Lande. Da nehmen die Menschen sich noch gegenseitig wahr. Da hilft man sich gegenseitig. Doch wo gibt es sie tatsächlich noch, die viel gerühmte “gute Nachbarschaft”?
Eine Zeit lang standen sog. Nachbarschaftshilfe-Vereine bei den Politikern hoch in Kurs. Doch nach den euphorischen Auftaktveranstaltungen und den Förderprogrammen folgte die Ernüchterung (siehe mein Artikel in “Der Freitag”, https://www.freitag.de/autoren/ulrich-lange/bedrueckende-betreuungsluecke). Inzwischen wünscht man sich die gute alte Gemeindeschwester zurück. Mit Förderprogramm. Denn das Prinzip “Jeder, der kann, hilft mal irgendwo ein bisschen…” funktioniert nicht. Und die gemeinnützigen Vereine, die vielerorts gegründet wurden, brauchen viel Unterstützung von kommunaler Seite und erzeugten selbst eine Menge Bürokratie mit der Annahme von Hilfegesuchen, der Beauftragung geeigneter Freiwilliger und der Abrechnung der guten Taten über Zeitkonten o.ä. Ein zufälliges Gespräch mit meiner Frisörin stieß mich mit der Nase darauf. Seit Jahren, erzählte diese mir, habe sie eine “mütterliche Freundin”, die mit ihr im selben Haus wohne und um die sie sich kümmere. Genau so muss es sein. Und diese einfache, direkte und unbürokratische Hilfeform wurde auch schon längst aufgegriffen, in der sog. “Aktiv-Paten”-Vermittlung (siehe http://aktivpaten.de/vermittlungen-in-ihrer-nahe/). Etwas ähnliches wäre auch in einem regionalen Rahmen und damit noch persönlicher möglich, etwa über die Kirchengemeinden bzw. regionale Internet-Portale, die es Hilfesuchenden und “Paten” nach einer Registrierung (aus Sicherheitsgründen) erlauben, direkten Kontakt zueinander aufzunehmen.
Aber hierbei ist ein sehr schwieriges Problem zu lösen: An die wirklich Hilfsbedürftigen ist nur schwer heran zu kommen. Dies zeigen auch der nachfolgende Artikel aus der Wetterauer Zeitung vom 04. Mai 2017 (siehe https://www.wetterauer-zeitung.de/regional/vogelsbergkreis/art74,249154) und meine Bestandsaufnahme unter https://generationenhilfevogelsbergkreis.hpage.de/.
Die kommunale Verwaltung versucht eher (siehe auch die oben verlinkten Beiträge), die gesamte Problematik herunter zu spielen, statt sich auf u.U. personal- und kostenintensive Handlungsmodelle zur Überwindung der Isolation im Alter einzulassen, deren Entwicklung noch in den Anfängen steckt (siehe https://www.hs-fulda.de/fileadmin/user_upload/Hochschulkommunikation/Publikationen/Marktkorb_2017/Marktkorbseite_September_2017.pdf).
Wer sich für das Thema patenschaftliches Ehrenamt interessiert, ist eingeladen, sich in einer Art selbst organisierter Fortbildung der Thematik anzunähern.
Veranstaltungsform: Regelmäßige Diskussionsforen, 1-2mal im Monat.

Über den Ideengeber / Über die Ideengeberin

Ulrich Lange

Ein Kommentar

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  • Keine Medaille ohne Kehrseite. Gerade hat die ARD in der Reportage “Die Fürsorgefalle” (siehe https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/exclusiv-im-ersten-die-fuersorgefalle-video-102.html) gezeigt, welche Gefahren gerade allein stehenden Senioren drohen, wenn sie sich zu leichtgläubig auf die Hilfe fremder Menschen einlassen. Von daher ist es ganz wichtig, bei aller Bürokratie-Vermeidung und Unmittelbarkeit der Hilfeleistung (Senioren-Patenschaft) bestimmte Sicherungsmechanismen einzubauen. Hierzu schlage ich eine Art Mehraugenprinzip vor z.B. durch “amtliche Registrierung” der Patenschaft i.S. einer
    eingetragenen Patenschaft vor, die man durch Gewährung von Vergütungsleistungen (z.B. eine erweiterte Ehrenamtscard mit kostenloser Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel als Begleitperson u.a.m.) attraktiv machen könnte.

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